Ludus sollemnis

Jésus est seul dans un jardin, non de délices comme le premier Adam, où il se perdit et tout le genre humain, mais dans un de supplices, où il s’est sauvé et tout le genre humain.

Pascal

Dies ist ein ludus paschalis oder liturgisches Drama zu Ostern. Die frühesten solchen Dramen waren «Tropen» auf dem Evangeliumtext Quem quaeritis? (Wen sucht ihr?)  Dieser ludus paschalis basiert auf der mittelalterlichen Tradition.

Das Drama ist auch aber als ludus sollemnis  (feierliches Glasperlenspiel, Jahresspiel) konzipiert. Das Publikum wird vom Magister ludi durch die drei Akte des Dramas geführt und meditiert auf alle drei.

Dieser ludus besteht aus einer «Sentenz», die das allgemeine Muster ausdrückt, anschließend aus drei von der Sentenz abgeleiteten Tropen; jede dieser Tropen weist auf eine Bibelstelle hin. Die Bibelstellen sind der Einheitsübersetzung entnommen. Nach jedem Akt wird eine «Glosse», eine Deutung der Tropen vorgegeben und das Publikum meditiert darauf in Stille. Der ludus gipfelt in einer abschließenden Meditation über die Glosse der Sentenz und dadurch auf die ganze dramatische Handlung.

Der vorgesehene Raum für diesen ludus paschalis  ist der Altarraum einer Kirche.  Dieser Raum wird als eine Art Schachbrett angesehen, mit fünf Positionen verbunden an existierenden architektonischen Elementen: Altar, Kreuz, Ambo, usw.  Während der Handlung des Spieles besetzen die Rollen diese Positionen und bewegen sich von einer zur anderen.

Es gibt eine weitere Rolle, die des Magister ludi, welche der Rolle des Doktors, Engels oder Prologes in den mittelalterlichen Dramen ähnlich ist. Der Magister ludi hat seinen Platz während des ludus am Ambo und bewegt sich nicht von dort, sondern verkündet die Tropen und Glossen; er führt die Zuhörer in der Meditationsübung über jede Glosse.

Rollen

Adam

Eva

Christus

Maria Magdalena

Engel

Zwei Gerichtsdiener

Magister ludi

Positionen

1:  in der Mitte, vor dem Sakramenthaus oder Hochaltar (das zu Ostern das Grab symbolisiert).

2:  hinter dem Ambo.

3:  vor dem Kreuz.

4:  in der Mitte, vor der Altarmensa, bei der Treppe.

5:  unten im Schiff, in der Mitte, vor der Altarmensa.

Sentenz

In einem Garten trauert ein Mensch um den Tod, der durch einen Baum verursacht wurde, und wird von einem anderen Menschen aus dem Garten geschickt.

Prolog

Text:  Gen. 2, 8-9 und 15-17

[Magister ludi tritt bei Position 5 ein. Er geht zu Position 2.]

Magister ludi [am Ambo, liest] : Gott, der Herr, legte in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte. Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

Trope 1: Eden

Im Garten von Eden trauern Adam und Eva wegen des Todes, der in die Welt gekommen ist, da sie vom Baum aßen, und sie werden vom Engel aus dem Garten gebannt.

Text:  Gen. 3

[Adam und Eva treten bei Position 4 ein. Sie bleiben auf der oberen Treppe stehen und umarmen sich ängstlich.]

Adam [an Eva]: Weil wir von dem Baum gegessen haben, von dem zu essen er uns verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden unseretwegen. Unter Mühsal werden wir von ihm essen alle Tage unseres Lebens. Dornen und Disteln lässt er uns wachsen und die Pflanzen des Feldes müssen wir essen.

Eva [an Adam]: Im Schweiße unseres Angesichts sollen wir unser Brot essen, bis wir zurückkehren zum Ackerboden;  von ihm sind wir ja genommen. Denn Staub sind wir, zum Staub müssen wir zurück.

[Engel tritt bei Position 1 ein und geht bis Position 3. Eva dreht sich herum und sieht ihn.]

Eva: Engel! Warum bist du gekommen?

Engel [an Adam und Eva]: Ihr seid geworden wie wir; ihr erkennt Gut und Böse. Damit ihr jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nehmt, davon esst und ewig lebt, sagt Gott, der Herr: Geht aus dem Garten von Eden weg, damit ihr den Ackerboden bestellt, von dem ihr genommen wart.

[Angel geht von Position 3 bis Position 4, während Adam und Eve die Treppen hinuntergehen, bis Position 5 und ab.]

Engel [zum Publikum] Hier, am Tor des Gartens von Eden werde ich stehen mit dem lodernden Flammenschwert, damit ich den Weg zum Baum des Lebens bewache [ab].

Glosse der Trope 1

Magister ludi: Weil er die verbotene Frucht eines Baums gegessen hatte, musste der Mensch den Garten des Paradieses verlassen.

[Sitzt oder kniet in Versenkung, lädt das Publikum ein, das Gleiche zu tun. Ein paar Minuten Stille; oder es kann ein Zwischenspiel von Musik geben.]

Trope 2: Gethsemane

Im Garten Gethsemane, trauert Christus über seinen kommenden Tod am Baum des Kreuzes, und wird aus dem Garten von Gerichtsdienern weggeschleppt.

Text:  Joh 18, 1; Lk 22, 43; Mk 14, 37; Mt 26, 41-42.

Magister ludi [liest]:  Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein.

Christus [tritt bei Position 5 ein, dreht sich um und spricht zum Publikum]: Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete. [Geht zu Position 4. kniet auf der oberen Stufe.] Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. [Kehrt zu Position 5 zurück, spricht zum Publikum]  Ihr schläft? Konntet ihr nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. [Geht zu Position 4 zurück. Kniet auf der oberen Stufe.] Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille.

[Engel tritt bei Position 3 ein; geht stillschweigend bis Position 4, wischt Christus die Stirn. Sie sehen einander einige Momente in die Augen. Dann verlässt der Engel den Altarraum über Position 3. Christus steht auf, dreht sich um, kommt die Altartreppe hinab und spricht zum Publikum.] Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? [Gerichtsdiener treten bei Position 3 ein.] Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. [Die Gerichtsdiener gehen zu Position 4. Sie stehen Christus zu beiden Seiten und fassen seine Arme. Dann gehen sie mit Christus zu Position 5, und ab.]

Glosse der Trope 2

Magister ludi: Adam und Eva brachten den Tod in die Welt, indem sie die Frucht eines Baumes aßen, und wurden aus einem Garten vertrieben; Christus sieht seinen eigenen Tod am Baum des Kreuzes voraus und wird von bösen Männern aus dem Garten Gethsemane vertrieben.

[Sitzt oder kniet in Versenkung, lädt das Publikum ein, das Gleiche zu tun. Ein paar Minuten Stille; oder es kann ein Zwischenspiel von Musik geben.]

Trope 3: Der Garten Josephs von Arimathea

In Joseph von Arimatheas Garten auf der Schädelhöhe, trauert Maria Magdalena um den Tod Christi, der vom Baum des Kreuzes hinabgenommen worden ist, und wird von Christus aus dem Garten geschickt, damit sie seine Auferstehung verkünde.

Text:  Joh 19, 41-42; 20, 1; 11-18

Magister ludi [liest]: An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. [Maria Magdalena tritt bei Position 5 ein; sie geht zu Position 4, dann Position 1]. Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen worden war. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.

Engel [tritt bei Position 1 ein]: Frau, warum weinst du?

Maria: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. [Kehrt zu Position 4 zurück. Christus tritt bei Position 3 ein.]

Christus: Frau, warum weinst du? Wen suchst du?

Maria: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.

Christus: Maria.

Maria [dreht sich um]: Rabbuni!

Christus [geht zu Position 4]: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott [ab].

Maria [geht zu Position 5; spricht zum Publikum]: Ich habe den Herrn gesehen [Maria Magdalena und Engel ab].

Glosse der Trope 3

Magister ludi: Christus wurde aus einem Garten geholt, um den Tod auf dem Baum von Golgotha zu erleiden; Maria Magdalena wird von Christus selbst aus dem Garten Josephs von Arimathea hinausgeschickt, um die frohe Botschaft der Auferstehung zu verkünden.

[Sitzt oder kniet in Versenkung, lädt das Publikum ein, das Gleiche zu tun. Ein paar Minuten Stille; oder es kann ein Zwischenspiel von Musik geben.]

Epilog

Text:   Offb. 1, 10-18; 2, 7

Magister ludi [liest]: Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Als ich mich umwandte, sah ich einen, der wie ein Mensch aussah. [Dreht sich um und schaut auf Christus, der in Position 1 auf der oberen Treppe erscheint und bis Position 4 herabkommt.]

Christus [zum Publikum]: Fürchtet euch nicht! Ich bin der Erste und der Letzte, und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens [deutet auf das Kreuz], der im Paradies Gottes steht. [Geht zu Position 1, und ab.]

Glosse der Sentenz

Magister ludi: Als Adam und Eva die Frucht des Todes aßen, wurde der Mensch aus dem Garten des Paradieses vertrieben; nach der Auferstehung Christi kann der Mensch zum Garten des Paradieses zurückkehren und die Frucht des ewigen Lebens von der Hand Christi selber erhalten.

[Sitzt oder kniet in Versenkung, lädt das Publikum ein, das Gleiche zu tun. Ein paar Minuten Stille; oder es kann Musik geben.]

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