Dieses Spiel wurde von Michel Butors Essay Die Stadt als Text (Graz, Droschl, 1992) inspiriert. Das (fünfseitige)Spiel ist in vier Akten, Prolog und Epilog aufgeteilt, und besteht aus vier Sentenzen.

Prolog

Polis und psyche:

In Platons Dialog über den Staat wird der Mensch mit der polis verglichen. Es geht hier um den großen Gegensatz zwischen dem Einen und dem Vielen. Man könnte meinen, die Stadt sei viel (wegen ihrer vielen Bürger) und der Mensch einer, aber in Wahrheit ist es umgekehrt, laut Platon. Die Stadt ist eins (oder sollte es sein, wobei alle Bürger „eines Geistes sind“, wenn sie eine philosophische Stadt ist); sie ist eine Idee. Der Mensch, auf der anderen Seite, hat mehrere „Seelen“ in sich und wird so von Gedanken, Appetiten und Leidenschaften hin und her gerissen. Nur die Ideen (göttlichen Ursprungs) sind eins. Aber die Erscheinungen, die Dinge in der Welt, sind Abbilder der Ideen, wie Kinder eines Vaters. Und wenn die Stadt, die polis, laut Platon eine Idee ist, deren Kopie oder Exemplar der Bürger ist, können wir ohne weitere Mühe verbotene und verlorene Stadtteile in uns selbst auffinden. Sokrates fragt zum Schluss: „Ist nun also nicht diese Stadt zur Genüge erörtert worden und auch der ihr gleichende Mensch? Denn auch dieser steht nun deutlich vor uns, so, wie er nach unserer Forderung sein soll.“ (S. 319)

Advertisements